Medizinisches Cannabis Ein Projekt des Gesundheitsdezernats und des Drogenreferats der Stadt Frankfurt am Main

Cannabis-Arzneimittel

Zur Rechtslage

Die Verordnung von Cannabis-Arzneimitteln für medizinische Zwecke ist entgegen der öffentlichen Wahrnehmung in Deutschland nicht erst durch die gesetzliche Neuregelung vom 11. März 2017 möglich. Der Wirkstoff Dronabinol ist bereits seit 1998 verordnungsfähig. Ab 2005 konnten schwerkranke Patient:innen über eine Ausnahmeerlaubnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit getrockneten Cannabisblüten behandelt werden. Eine Kostenerstattung durch die gesetzlichen Krankenversicherungen blieb allerdings ausgeschlossen. Darüber hinaus beschloss das Bundesverwaltungsgericht im April 2016, dass eine Ausnahmeerlaubnis zum Eigenanbau von Cannabis erteilt werden kann, wenn Antragsteller:innen zur Behandlung einer Erkrankung keine gleich wirksame und erschwingliche Therapiealternative zur Verfügung steht.

Seit der Änderung des Betäubungsmittelgesetzes am 11. März 2017 ist die ärztliche Verordnung von Cannabis-Arzneimitteln auf Rezept und die Kostenerstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen möglich. Der Gesetzgeber wollte damit den missbräuchlichen Anbau von Cannabis verhindern und Patient:innen die Finanzierung der Therapie ermöglichen. Alle Ärzt:innen können mit einem Betäubungsmittelrezept Cannabisextrakte, Cannabisblüten, Dronabinol, Nabilon und Nabixmols verschreiben.

Verschreibung und Vorgaben

Werden Cannabis-Arzneimittel zum ersten Mal verordnet, sollte für gesetzlich versicherte Patient:innen vor Beginn einer Behandlung die Zusage der Krankenkasse vorliegen, dass die Kosten erstattet werden. Krankenkassen können die Erstattungsfähigkeit durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) prüfen lassen. Dennoch können Ärzt:innen auch ohne eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse Cannabis-Arzneimittel auf Privatrezept verschreiben.

Für eine Begleiterhebung sind Ärzt:innen angehalten, spezifische Daten von Patient:innen wie beispielsweise Diagnose, Therapie und Nebenwirkungen zu dokumentieren. Die gesammelten Daten müssen an das BfArM übermittelt werden. Ärzt:innen haben außerdem die Pflicht, ihre Patient:innen umfassend über die Wirkung einer Cannabis-Therapie, über Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimittel aufzuklären. Dazu gehören auch Informationen zur Anwendungsart, Dosierung, (kindersicheren) Lagerung oder zur Verkehrstüchtigkeit nach Einnahme von Cannabis-Arzneimitteln. Die Rechtslage zur Verkehrstüchtigkeit von Cannabis-Patient:innen ist derzeit unklar.

Ärzt:innen dürfen ihren Patient:innen innerhalb von 30 Tagen bis zu 100 Gramm getrocknete Cannabisblüten oder ein Gramm Cannabisextrakt, bezogen auf den THC1-Gehalt, verschreiben. Für Patient:innen, die dauerhaft mit Cannabis-Arzneimitteln behandelt werden müssen, greift eine gesetzliche Ausnahmeregelung. Sie ist auf dem Betäubungsmittelrezept für Apotheker:innen durch den Buchstaben A kenntlich gemacht und erfordert bestimmte Sicherheitsmaßnahmen des Betäubungsmittelverkehrs, die von Patient:innen eingehalten werden müssen.

Wichtige Links

Einen Überblick zu den verschiedenen Indikationen und Nebenwirkungen sowie praktische Hinweise zur Verschreibung von Cannabis-Arzneimitteln bietet dieser Artikel aus dem Deutschen Ärzteblatt.

Welchen Patient:innen dürfen cannabishaltige Arzneimittel verordnet werden? Welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein, und welche Cannabis-Arzneimittel dürfen in welchen Mengen verordnet werden? Diese und weitere häufig gestellten Fragen zum Einsatz von Cannabis in der Medizin werden in der FAQ-Liste der Bundesärztekammer beantwortet. Eine umfangreiche Verordnungshilfe stellt die Kassenärztliche Bundesvereinigung zur Verfügung.

Bereits seit mehr als zwanzig Jahren besteht der Verein „Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM)“, der unter anderem hilfreiche und aktuelle Informationen für Ärztinnen und Ärzte rund um das Thema Cannabis als Medizin bereitstellt. Darüber hinaus verfügt der ACM e.V. über ein großes Netzwerk von medizinischem Fachpersonal. Ärzt:innen können sich über eine interne Mailingliste vernetzen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat umfangreiche Informationen zur Anwendung der betäubungsrechtlichen Regelungen für Ärztinnen und Ärzte bereitgestellt.

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An alle Ärzt:innen und Apotheker:innen im Raum Frankfurt und Rhein-Main

Die Stadt Frankfurt am Main möchte die regionale Versorgung schwerkranker Menschen mit Medizinischem Cannabis verbessern. Dafür wurde im Drogenreferat das wissenschaftlich basierte Projekt „Medizinisches Cannabis in Frankfurt am Main“ aufgesetzt. Es zielt darauf, Ärzt:innen und Apotheker:innen zum Thema fortzubilden. Erste Online-Angebote sind bereits auf große Resonanz gestoßen. Als weiteres wichtiges Ziel soll ein regionales Netzwerk aus Ärzt:innen und Apotheker:innen entstehen, das den Austausch über die aktuelle Versorgung mit Cannabis-Medikamenten und über alle Fragen rund um die Verschreibung oder die rechtliche Situation ermöglicht.

Unser erster Termin ist am Mittwoch, 19.05.2021 um 18 Uhr. Wir treffen uns per Video-Konferenz (Zoom).

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Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen!