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Newsletter Medizinisches Cannabis
1. Ausgabe 2024

Liebe Leserinnen und Leser,

für das Thema „Cannabis“ wird 2024 ein ereignisreiches Jahr werden.

In Kürze entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), für welche Ärztinnen und Ärzte der Genehmigungsvorbehalt bei der Verordnung von medizinischem Cannabis wegfällt.

Im Bundestag wird um neue Regelungen für Cannabis zum Freizeitkonsum gerungen: Nun sieht es so aus, als ob das Cannabisgesetz ab dem 1. April schrittweise in Kraft treten wird.

Darüber und über viele weitere Neuigkeiten zum Thema „Medizinisches Cannabis“ informiert der heutige Newsletter. Wir wünschen eine anregende Lektüre und stehen für Fragen und Hinweise gerne zur Verfügung.

Herzlich,
Ihr Projektteam Cannabismedikation
Drogenreferat der Stadt Frankfurt am Main

Inhalt

1. Aktuelles aus Frankfurt am Main

- Regionales Netzwerktreffen zum Thema „Reisen mit Cannabis-Arzneimitteln“

- Frankfurter Cannabis-Gespräch zu Erfahrungen im Ausland: Dokumentation online

2. Aktuelles aus Deutschland

- Stellungnahmeverfahren des G-BA zum Genehmigungsvorbehalt

- Umfrage bei Hausarztpraxen zum Einsatz von Cannabis-Arzneimitteln

- Kurzinformation und Online-Fortbildung der KBV mit drei CME-Punkten

- Cannabisgesetz (I): Neue Regeln sollen schrittweise ab April 2024 in Kraft treten

- Cannabisgesetz (II): Ablösung des Vergabeverfahrens geplant

3. Aktuelles aus aller Welt

- Frankreich: vorläufige Zulassung von Cannabisarzneimitteln für fünf Jahre

- Japan: Parlament billigt medizinische Verwendung von Cannabis

- IACM-Konferenz: nicht in Schottland, sondern im Internet

4. Aktuelles aus der Forschung

- Hinweise auf Herzrhythmus-Störungen als Nebenwirkung von medizinischem Cannabis

- Besonders starke Steigerung der Lebensqualität bei Einsatz von Cannabis-Blüten

- Auswirkungen von Cannabis während der Schwangerschaft

- Vergleich von Medizinalcannabis zu herkömmlichen Schlafmitteln

1. Aktuelles aus Frankfurt am Main

Regionales Netzwerktreffen zum Thema „Reisen mit Cannabis-Arzneimitteln“


Was muss beachtet werden, wenn Patientinnen oder Patienten mit medizinischem Cannabis ins Ausland reisen? Welche Formulare benötigt man, wie sind sie auszufüllen, und wo findet man weiterführende Informationen? Mit diesen und weiteren Fragen rund um das Thema „Reisen mit Cannabis-Arzneimitteln“ beschäftigt sich die erste Sitzung des Regionalen Netzwerks Rhein-Main im neuen Jahr, am Mittwoch, den 14. Februar 2024, von 18:00 bis 19:00 Uhr.


Die Veranstaltung findet wie üblich online statt. Das regionale Netzwerk Rhein-Main wird vom Drogenreferat der Stadt Frankfurt organisiert. Alle medizinischen und pharmazeutischen Fachkräfte aus Frankfurt am Main und Umgebung sind herzlich dazu eingeladen.


Bitte schreiben Sie uns eine E-Mail, um die Zugangsdaten zur Sitzung zu erhalten: medizinisches.cannabis@stadt-frankfurt.de. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!


Frankfurter Cannabis-Gespräch zu Erfahrungen im Ausland: Dokumentation online


Mit den Modellprojekten zur kontrollierten Abgabe von Cannabis an Erwachsene zum Freizeitkonsum in den Niederlanden und in Zürich beschäftigte sich das 4. Frankfurter Cannabis-Gespräch des Drogenreferats Ende November 2023. Die Vorträge als Audiodateien und als Foliensätze sind mittlerweile online auf der Webseite des Drogenreferats abrufbar, ebenso Links zu weiterführenden Informationen.


Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung ist Cannabis in den Niederlanden keineswegs erlaubt. Der Verkauf in Coffee-Shops wird lediglich toleriert. Da das Cannabis aus illegalen Quellen stammt, besteht die häufig beklagte Hintertür-Problematik: Die Produktion und der Vertrieb sind in der Hand der organisierten Kriminalität, ein wirksamer Gesundheits- und Verbraucherschutz findet nicht statt, und weder die Coffee-Shops noch die Konsumentinnen und Konsumenten können mit Sicherheit wissen, was in den Produkten wirklich enthalten ist.


Für zehn Gemeinden in Holland wird sich das nun ändern. Stijn Hoorens, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Forschungsinstitut RAND Europe, stellte in seinem Vortrag das niederländische Modellprojekt vor: Vier Jahre lang werden Coffee-Shops in den teilnehmenden Kommunen ausschließlich Cannabis aus kontrollierter, inländischer Produktion verkaufen. Durch den Vergleich mit einer Kontrollgruppe aus zehn Gemeinden, bei denen vorerst alles beim Alten bleibt, sollen die Auswirkungen auf den Gesundheitsschutz, die öffentliche Ordnung und den Schwarzmarkt erforscht werden.


Auch die Pilotversuche in der Schweiz dienen dazu, mehr über die Vor- und Nachteile eines kontrollierten Zugangs zu Genusscannabis zu erfahren. Sechs Pilotversuche sind landesweit zugelassen, zwei sind bereits gestartet, einer davon ist das Projekt „Züri Can – Cannabis mit Verantwortung“ in der Stadt Zürich. Vorgestellt wurde die Zürcher Pilotstudie beim Frankfurter Cannabis-Gespräch von der Projektleitung Barbara Burri.


Bis zu 2.100 Personen nehmen an der Studie teil. Dreieinhalb Jahre lang können sie Cannabis in Apotheken, in Cannabis Social Clubs oder in einer städtischen Einrichtung der Suchthilfe kaufen. Vom Pilotversuch erhofft sich Projektleiterin Barbara Burri unter anderem Hinweise auf den Einfluss des regulierten Verkaufs auf die öffentliche Gesundheit und die der einzelnen Konsumierenden. Außerdem will sie Erkenntnisse dazu gewinnen, welche Modelle des regulierten Verkaufs in der Schweiz umsetzbar sind und welche Rahmen- und Kontrollbedingungen Gemeinden dafür schaffen müssen.


2. Aktuelles aus Deutschland

Stellungnahmeverfahren des G-BA zum Genehmigungsvorbehalt


Am 9. November 2023 veröffentlichte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ein Stellungnahmeverfahren zur Neuregelung des Genehmigungsvorbehalts bei einzelnen (Fach-)Arzt-Gruppen. Nötig geworden war dies durch das Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG). Dort heißt es: „Der Gemeinsame Bundesausschuss regelt […] das Nähere zu einzelnen Facharztgruppen und den erforderlichen ärztlichen Qualifikationen, bei denen der Genehmigungsvorbehalt […] entfällt.“


Im Änderungsentwurf des G-BA finden sich zwei unterschiedliche Vorschläge. Einer besagt, dass Ärztinnen und Ärzte je nach Indikation einer Facharztgruppe angehören müssen und eine Zusatzweiterbildung benötigen, um ohne Genehmigung der Krankenkasse Cannabis verordnen zu dürfen. Der andere Vorschlag sieht lediglich eine Zusatzweiterbildung vor.


Weiterhin gelten aber für alle Ärztinnen und Ärzte die bisherigen Verordnungsvoraussetzungen. So muss zum Beispiel eine schwerwiegende Erkrankung vorliegen und keine zumutbare Standardtherapie zur Verfügung stehen. Aus dem Grund spricht sich eine Teilposition in der G-BA-Begründung für die Möglichkeit einer prophylaktischen Beibehaltung des Kostenübernahmeantrags auch für privilegierte Ärztinnen und Ärzte aus: „Ob eine Verordnung voraussetzungskonform und damit rechtmäßig ist, kann von der Verordnerin/dem Verordner und der Krankenkasse unterschiedlich bewertet werden. Um dem Rechtsrisiko eines Regresses bei unklaren Verordnungen vorzubeugen, kann auch die qualifizierte Ärztin/der qualifizierte Arzt eine Genehmigung der Krankenkasse nach Absatz 1 einholen.“


Im Ergebnis droht eine Regelung, die dem ursprünglichen Willen des Gesetzgebers zuwiderläuft. Eigentlich war eine Beschleunigung der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit medizinischem Cannabis beabsichtigt (Vgl. BT- Drucksache 20/7397). Es ist zu bezweifeln, ob dies ohne Berücksichtigung der Regress-Problematik gelingt. So birgt die diskutierte Regelung neue Risiken für die privilegierten Ärztinnen und Ärzte: Die Krankenkasse prüft nicht mehr vor der Verordnung, aber möglicherweise danach. Bei einer abweichenden Einschätzung wird somit nicht nur ein Antrag abgelehnt, sondern kann bereits verausgabtes Geld von den Ärztinnen und Ärzten zurückgefordert werden.


Ein Zusammenschluss aus acht Verbänden von Ärzteschaft, Apotheken, Pharma-Unternehmen und Patient:innen äußert sich kritisch zu dem Änderungsentwurf des G-BA. In einer gemeinsamen Pressemitteilung vom 03.01.2024 setzen sie sich für eine Erweiterung des vorgeschlagenen Facharztkreises ein. Demnach sollten möglichst alle Fachgebiete, in denen sich Medizinalcannabis bereits bewährt hat, berücksichtigt werden. Und gerade für Hausärzt:innen benötige es ebenfalls die Möglichkeit, Cannabis ohne Kostengenehmigung der Krankenkasse zu verordnen. Eine optimale Versorgungslage für Patientinnen und Patienten könne nur gewährleistet werden, „wenn der Genehmigungsvorbehalt vollständig abgeschafft wird [...]. Gleichzeitig müssen verschreibende Ärztinnen und Ärzte vor Regress geschützt werden.“


Das schriftliche Stellungnahmeverfahren endete am 11. Dezember vergangenen Jahres. Nach Informationen des Online-Journals krautinvest.de sind siebzehn Stellungnahmen eingegangen. Im Februar oder März solle nun ein Termin für eine mündliche Anhörung folgen.


Umfrage bei Hausarztpraxen zum Einsatz von Cannabis-Arzneimitteln


In einer nicht-repräsentativen Umfrage testete das Unternehmen Cantourage SE die Bereitschaft von Hausärztinnen und Hausärzten, medizinisches Cannabis einzusetzen. In den zwanzig größten deutschen Städten wurden jeweils zwanzig Hausarztpraxen mit einer identischen E-Mail einer erfundenen Patientin angeschrieben. Berichtet wird darin von langjährigen Schlafproblemen, die bereits mit verschiedenen Medikamenten behandelt worden seien. Zum Schluss bittet „Lisa Wagner“ um eine Beratung zur Cannabis-Therapie.


Weniger als die Hälfte der angeschriebenen Arztpraxen (185 von 400) antworteten auf die Anfrage. 27 Arztpraxen boten einen Termin an oder lehnten zumindest nicht sofort ab. In den übrigen 158 Fällen wird mitgeteilt, dass die Praxen keine Behandlung mit Cannabis anbieten. Somit benötigt es rechnerisch ungefähr fünfzehn Anfragen bei Arztpraxen, um eine Beratung zu der Thematik zu erhalten.


In Frankfurt am Main antworteten elf der zwanzig angeschriebenen Praxen. Zehn lehnten den Beratungswunsch zu medizinischem Cannabis ab, nur eine Praxis zeigte sich grundsätzlich offen für eine Cannabis-Behandlung.


Diese Daten dürfen aufgrund der fehlenden Repräsentativität nicht überinterpretiert werden. Dennoch geben sie Hinweise auf fortbestehende Vorbehalte in weiten Teilen der Hausärzteschaft gegenüber Cannabisarzneimitteln.


Kurzinformation und Online-Fortbildung der KBV mit drei CME-Punkten


Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat eine Ausgabe der Reihe WirkstoffAktuell dem Thema Medizinisches Cannabis gewidmet. Auf elf Seiten finden sich kompakte Informationen zu den rechtlichen Grundlagen der Verordnungen, zu der Wirkungsweise, den Nebenwirkungen und den Kosten von Cannabisarzneimitteln. Ärztinnen und Ärzte können nach der Lektüre online einen Multiple-Choice-Test mit zehn Items bearbeiten und erhalten dafür 3 CME-Punkte.


Cannabisgesetz (I): Neue Regeln sollen schrittweise ab April 2024 in Kraft treten


Vorigen November einigten sich die Ampel-Parteien auf letzte Änderungen beim Cannabisgesetz. Diese lassen sich detailliert in einem Formulierungsvorschlag des Bundesgesundheitsministeriums nachlesen. Besonders zu erwähnen sind:


Ein Konsumverbot gilt demnach nur noch „in Sichtweite“ von Orten, an denen sich vorwiegend Kinder und Jugendliche aufhalten. Es wurde klargestellt, dass bei einem Abstand von mehr als 100 Metern keine Sichtweite vorliegt.


Die maximal erlaubte Besitzmenge am eigenen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt wurde auf 50 Gramm pro Erwachsenen erhöht. Im öffentlichen Raum bleibt es bei 25 Gramm.


Zugleich wurde eine geringfügige Überschreitung der maximal erlaubten Besitzmenge zu einer Ordnungswidrigkeit herabgestuft (bis 30 Gramm im öffentlichen Raum, bis 60 Gramm zuhause).


In Anbauvereinigungen müssen Mitarbeitende, die unmittelbar mit dem Eigenanbau und der Weitergabe von Cannabis betraut sind, Mitglieder sein und dürfen nur geringfügig beschäftigt werden. Andere Aufgaben wie Buchhaltung, Dokumentation, Reinigung etc. können auch von sonstigen entgeltlich Beschäftigten wahrgenommen werden.


Das Gesetz soll zeitlich gestuft in Kraft treten: die Regelungen über privaten Eigenanbau und zulässige Besitzmengen zum 1. April, die Vorschriften zu den Anbauvereinigungen zum 1. Juli 2024.


Entgegen der ursprünglichen Pläne wurde das Gesetz nicht schon im vergangenen Jahr verabschiedet. Grund dafür waren Vorbehalte in der SPD. So kritisierte der kriminalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Sebastian Fiedler noch am 18. Januar 2024 in der Rheinischen Post: „Ich hoffe nach wie vor, dass […] sich die Erkenntnis durchsetzt, dass dieses Gesetz so auf keinen Fall kommen darf […] Ich kenne eine Vielzahl von Kolleginnen und Kollegen in meiner Fraktion, die das ebenso sehen.“


Am 1. Februar 2024 erklärten jedoch die drei Vizefraktionsführer:innen der Regierungsfraktionen im Bundestag, Konstantin Kuhle (FDP), Maria Klein-Schmeink (Grüne) und Dagmar Schmidt (SPD), den Konflikt für beendet, wie in der Zeit zu lesen war. Das Gesetz könne wie geplant zum 1. April kommen. Mit einer Verabschiedung im Bundestag wird nun in der achten Kalenderwoche gerechnet.


Kaum eine Rolle in der öffentlichen Diskussion spielt zurzeit die „zweite Säule“ der Cannabis-Reformen. Dabei geht es um den Plan der Bundesregierung, Modellregionen zur Erprobung einer kommerziellen Lieferkette für Genusscannabis einzuführen. Im Eckpunktepapier vom April 2023 wurde dafür ein erster Gesetzentwurf für „nach der Sommerpause“ angekündigt.


Der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Burkhard Blienert, erinnerte unlängst daran. In einem Interview, veröffentlicht im Merkur am 25. Januar 2024, antwortete er auf die Frage, was denn nach Einführung des Cannabisgesetzes mit den Personen sei, die spontan Cannabis konsumieren wollen, aber keine Mitglieder in Anbauvereinigungen sind: „Deshalb müssen wir die zweite Säule in Angriff nehmen, und damit den Gesundheitsschutz auch für die Gelegenheitskonsumierenden. Damit niemand mehr, der unbedingt konsumieren will und sich davon auch nicht abbringen lässt, beim Dealer an der Straßenecke gestrecktes Gras kaufen muss.“


Cannabisgesetz (II): Ablösung des Vergabeverfahrens geplant


Unter den im November zwischen den Ampel-Koalitionären vereinbarten Änderungen im Cannabisgesetz findet sich auch eine wichtige Neuerung für den Bereich Cannabis als Medizin. Bislang ist der Anbau von Medizinalcannabis durch ein Vergabeverfahren des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geregelt. Pro Jahr werden Aufträge zum Anbau von 2,6 Tonnen Medizinalcannabis vergeben. Dies reicht aber für den Bedarf in Deutschland nicht aus. Deshalb soll die Berechtigung für den Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken zukünftig über ein Erlaubnisverfahren erfolgen. Damit wird auch erhofft, den Anbau in Deutschland wettbewerbsfähiger zu gestalten.


3. Aktuelles aus aller Welt

Frankreich: Vorläufige Zulassung von Cannabisarzneimitteln für fünf Jahre


Im vergangenen Newsletter wurde über die Situation in Frankreich berichtet. Rund 3.000 Patientinnen und Patienten erhalten dort als Experiment seit 2021 Cannabisarzneimittel. Nach zwei Jahren sollte über eine generelle Zulassung von Cannabis zu medizinischen Zwecken entschieden werden. Genau dies stand in Frage und führte zu Protesten von Patient:innenorganisationen. Nun hat die französische Regierung eingelenkt, wie die Online-Plattform Business of Cannabis berichtet. Cannabisarzneimittel werden für fünf Jahre vorläufig zugelassen. Für Patientinnen und Patienten gelten aber weiterhin sehr restriktive Regelungen: Sie erhalten medizinisches Cannabis nur in Krankenhäusern und als letztes Mittel, wenn alle anderen Behandlungsoptionen ausprobiert wurden. Cannabis-Blüten sind generell ausgeschlossen.


Japan: Parlament billigt medizinische Verwendung von Cannabis


Japan verfolgt traditionell eine strenge Prohibitionspolitik in Bezug auf Cannabis. Nun hat das Parlament den Weg für den Einsatz von medizinischem Cannabis freigemacht, wie das Magazin Sumikai berichtet. Allerdings gilt dies nur für Cannabis-Medikamente, die vor der Marktzulassung strengen Tests zur Wirksamkeit und Sicherheit unterzogen wurden. Für den Konsum zu Genusszwecken wird hingegen ein rechtliches Schlupfloch geschlossen: Bisher waren nur Anbau, Besitz und Handel verboten, der Konsum an sich blieb straffrei. Jetzt sind auch für den Konsum Gefängnisstrafen von bis zu sieben Jahren vorgesehen.


IACM-Konferenz: nicht in Schottland, sondern im Internet


Die 13. IACM Conference der International Alliance for Cannabinoid Medicines e.V. wird im Frühling 2024 virtuell stattfinden. Die genauen Daten sind noch nicht bekannt. Ursprünglich war die Konferenz vom 11. bis zum 13. April 2024 in Aberdeen (Großbritannien) geplant.


4. Aktuelles aus der Forschung

Wie üblich stellen wir Ihnen im Folgenden ausgewählte neue Studien vor. Die Ergebnisse von Einzelstudien spiegeln nicht immer den Forschungsstand wider. Um Ihnen eine Würdigung der methodischen Qualität der Studien zu ermöglichen, verweisen wir stets per Link auf die Originalarbeiten.


Hinweise auf Herzrhythmus-Störungen als Nebenwirkung von medizinischem Cannabis


Unter Verwendung von landesweiten Gesundheitsregistern ging eine dänische Bevölkerungsstudie der Frage nach, ob die Behandlung von Schmerzen mit Cannabis-Arzneimitteln das Risiko von Herzrhythmus-Störungen erhöht. Dazu wurden die Gesundheitsdaten von 5.391 Personen, die sich wegen Schmerzen in Behandlung mit medizinischem Cannabis befanden, mit einer Gruppe von 26.941 anderweitig behandelten Schmerzpatient:innen verglichen. Bei den Personen in einer Cannabistherapie zeigte sich ein ungefähr doppelt so großes Risiko für eine Herzrhythmus-Störung innerhalb von 180 Tagen nach Behandlungsbeginn. Ein signifikant erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt konnte hingegen nicht festgestellt werden.


Besonders starke Steigerung der Lebensqualität bei Einsatz von Cannabis-Blüten


In einer Beobachtungsstudie mit 1.378 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Patient:innenregisters der britischen Privatklinik Sapphire Medical Clinics wurde untersucht, wie sich unterschiedliche Cannabisarzneimittel auf die Lebensqualität auswirken. Bei allen untersuchten Darreichungen – Blüten, Öle und Kombinationen aus Blüten und Ölen – stellten sich Verbesserungen in der Lebensqualität ein. In besonderem Maße galt dies für Patientinnen und Patienten, die mit Blüten oder mit einer Kombination aus Blüten und Ölen behandelt wurden.


Cannabis während der Schwangerschaft


Eine US-amerikanische Studie beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Cannabiskonsum und Komplikationen in der Schwangerschaft, zum Beispiel medizinisch indizierte Frühgeburten. In einer Stichprobe von 10.038 Schwangeren wurde bei 610 Personen Cannabiskonsum durch einen Urintest nachgewiesen. Diese Gruppe hatte ein höheres Risiko für die berücksichtigten Schwangerschaftskomplikationen als die abstinenten Studien-Teilnehmerinnen. Die Autorinnen und Autoren schließen daraus, dass Cannabiskonsum während der Schwangerschaft vermieden werden sollte.


Vergleich von Medizinalcannabis zu herkömmlichen Schlafmitteln


In einer US-amerikanischen Befragung von 1.216 Personen, die Cannabis wegen Schlafproblemen einnehmen, berichteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass sie sich am Morgen nach der Einnahme von Cannabis erholter, konzentrierter und leistungsfähiger als nach der Einnahme herkömmlicher Schlafmittel oder ohne Schlafmittel fühlten. Auch hatten sie weniger Kopfschmerzen, und es war ihnen weniger übel. Allerdings fühlten sie sich am Morgen nach dem Konsum von Cannabis auch schläfriger, ängstlicher und reizbarer als nach dem Konsum anderer Schlafmittel.


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